Pianistin - Odgerel Sampilnorov

Wenn ihr Klavierspiel einsetzt, dann scheint alles andere still zu stehen. Mit einer schier unglaublichen Leichtigkeit haucht die junge Künstlerin mit jedem Ton auch altbekannten Stücken eine neue Seele ein. Man meint heraushören zu können, woher sie die Inspiration für ihr einzigartiges Spiel nimmt – die Natur und die Landschaften, die Malerei und nicht zuletzt auch die Menschen in ihrem Leben, die wie sie selber sagt, ihre größten Einflüsse darstellen. Odgerel Sampilnorov gehört zu den bekanntesten Pianistinnen der Mongolei. Sampilnorov wuchs in einem der typischen kleinen Sowjetappartements im Ulaanbaatar der 80er Jahre auf – die Mutter Sportlehrerin, der Vater Basketballspieler. Sie entdeckte schon früh ihre Liebe zur Musik und lernte ab ihrem siebten Lebensjahr das Klavierspiel auf einem Russian Upright. Die weitere Geschichte liest sich wie ein Märchen. Als Jugendliche gab Sampilnorov Klavierunterricht.

Der Vater einer ihrer Klavierschüler lud die junge Pianistin in sein Sommercamp ein, damit sie dort für die Gäste spielen konnte. Ihr Klavierspiel verzauberte besonders einen der Gäste des Camps – Gabriele Menegatti, den damaligen italienischen Botschafter in China. Dieser setzte sich bei der italienischen Regierung für ein Stipendium für die begabte junge Frau ein und so konnte Sampilnorov ab 2006 am Konservatorium von Perugia studieren. Sie schloss ihre Ausbildung als eine der 16 besten ihres Jahrgangs mit Summa Cum Laude ab. 

2010 gewann sie das Luigi Castellani Stipendium, welches als einer der renommiertesten Musikpreise Italiens gilt. Während ihres Studiums nahm sie an Meisterklassen von Professoren wie Sergio Perticaroli, Maxim Mogilevsky, Bart Van Oort, Ivary Ilia, Michele Campanella, Valerij Voskabojnikov, Stefan Boisten and Luca Monti teil. Von 2011 bis 2015 vertiefte Sampilnorov ihre Studien an der internationalen Piano-Akademie „Incontri col Maestro“ in Imola unter der Leitung von Stefano Fiuzzi. Mittlerweile lebt und spielt sie wieder in Ulaabaatar.

Wichtige Konzerte

2010 Auftritt als Solistin auf dem historischen Piano Erard mit Begleitung durch ein Kammerorchester in der Nationalgalerie von Umbria
2011 Eingangskonzert der Eröffnungszeremonie des Auditoriums von Perugia „St Francesco al prato“ mit dem Symphonieorchester von Perugia unter der Leitung von Carlo Palleschi
2015 Aufführung von Tchaikovskys Klavierkonzert Nr. 1 mit dem Mongolischen Philharmonie Orchester (Maestro Nyamdash Dashtseren) beim Virtuoso Gala Concert am Opera and Ballet Theatre of Mongolia.
Solokonzerte in Peking, Hong Kong, Rom und weiteren italienischen Städten, Konzerte in Spanien und Deutschland

Zehn Fragen an Odgerel Sampilnorov

Wie beschreibst du Kunst in einem Satz?
Kunst gibt Flügel.

Kunst oder Liebe?
Liebe.

Ein Leben ohne Kunst wäre für dich...
Sinnlos, nicht möglich.

Wenn Geld keine Rolle spielen würde: welches Kunstprojekt würdest du wagen?
Ich würde ein tolles Konzerthaus mit einer wirklich guten Akustik bauen. Außerdem würde ich gerne in Ulaanbaatar und auf dem Land, inmitten der wunderschönen mongolischen Landschaft, ein Open Air Theater bauen, um dort internationale Musikfestivals zu veranstalten.

Der beste Ort in deiner Heimat Mongolei?
Batshireet sum in Khentii – Aimag (Anmerk. Ein Aimag ist eine Verwaltungseinheit der Monglei). Das ist die Heimat meiner Oma im Nordosten der Mongolei an der russischen Grenze. Dort leben viele Buriads. Das ist ein Gebiet mit einer wunderschönen Landschaft, selbst das Weidevieh ist dort schöner als an anderen Orten. Ich war in neun verschiedenen Aimags in der Mongolei. Aber die Heimat von meiner Großmutter fand ich am schönsten, schöner als Khuvsgul aimag, das bei vielen als das schönste Gebiet gilt. Vielleicht kommt das daher, dass ich dort immer meine Oma besuchte und schöne Kindheitserinnerungen mit dieser Gegend verbinde.

Dein Lieblingsplatz in der Stadt, in der du lebst?
Ich gehe gerne in der Gegend von Baga Toiruu und der Schule Nr. 5 spazieren und frühstücken. Das Stadtbild dort ist noch das des alten Ulaanbaatar, obwohl viele Häuser mittlerweile renoviert und umgebaut sind. Außerdem ist ist diese Gegend sehr grün mit vielen Parks. Dort gibt es noch keine dicht an dicht gebauten Hochhäuser.

Die Mongolei bedeutet für dich...
Mein Traum, meine Wurzeln und gleichzeitig der Ort, an dem ich auch immer wieder mit mir selbst zu kämpfen habe.

Wie viel Mongolei steckt in deiner Kunst?
In meiner Anfangszeit sehr wenig, aber jetzt wird es immer mehr. Ich bin noch auf der Suche nach dem, was mich glücklich macht.

Wenn du drei Wünsche für die Mongolei frei hättest, was würdest du wünschen?
1. Einen hervorragende Dirigenten. 2. Ein starkes Team, das ihn begleitet, unterstützt und berät. 3. Reformen in Kunst, Kultur und Bildungssytem.

Wer sind deine größten Vorbilder?
Jesus Christus, der mongolische Komponist B. Sharav und der Dirigent Carlos Kleiber.